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| Dominik Zausinger

Abschlussbericht der Reformkommission „Bau von Großprojekten“

AlexanderDobrindt

Am 29.06.2015 stellte Alexander Dobrindt den Abschlußbericht der 2013 von Peter Ramsauer initiierten Reformkommission "Bau von Großprojekten" vor (link zum Dokument). Dabei wurden die derzeitigen Prozesse aller am Bauwesen Beteiligten von den ersten Planungen bis zum Betrieb untersucht und daraus Lösungsvorschläge, Handlungsempfehlungen erarbeitet und ein "10-Punkte-Aktionsplan" erstellt:

  1. Nutzung digitaler Methoden - Building Information Modeling (BIM)
  2. Erst planen, dann bauen
  3. Risikomanagement und Erfassung von Risiken im Haushalt
  4. Stärkere Transparenz und Kontrolle
  5. Kooperatives Planen im Team
  6. Vergabe an den Wirtschaftlichsten, nicht den Billigsten
  7. Partnerschaftliche Projektzusammenarbeit
  8. Außergerichtliche Streitbeilegung
  9. Verbindliche Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
  10. Klare Prozesse und Zuständigkeiten/Kompetenzzentren

Die Nennung von digitalen Planungsmethoden (BIM) an erster Stelle verdeutlicht dabei die Wichtigkeit, der BIM zugedacht wird. Dies wird auch aktiv mit der Unterstützung des übergeordneten Kompetenzzentrums für BIM "Planung und Bau 4.0 GmbH" umgesetzt.

Erst Planen, dann Bauen - Probleme mit dem Vergaberecht

Interessant ist ebenfalls Punkt 2 - man sollte meinen, dass dies von jeher die Regel sein sollte. Diesen Punkt greift auch Dr.-Ing. Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), auf. Er ist der Meinung, dass Projekte erst komplett geplant werden sollen, bevor ausgeschrieben wird und Aufträge vergeben werden.

„Dann wird sich schnell zeigen, dass die mittelständischen Bauunternehmen hervorragend aufgestellt sind, diese Aufträge kostengünstig und zeitnah abzuwickeln. Dieser Weg ist für alle Beteiligten, öffentliche Hand, Auftragnehmer wie auch die Steuerzahler und Nutzer der beste,“

Diesen Punkt können wir voll unterstützen denn in unseren Projekten stellt genau dies oft ein Problem dar. Lösungen für komplexe oder geometrisch komplizierte Bauvorhaben und/oder Bauteile erfordern eine 3D-Planung vor der Vergabe, um konstruktive Lösungen zu entwickeln und das Objekt daraufhin optimieren zu können. Oft werden konstruktive Ansätze ausgeschrieben, die der Komplexität der Gebäude und den Möglichkeiten der Fertigung und Montage nicht gerecht werden. Somit ist nach der Vergabe keine Entwicklung nachhaltig optimierter Lösungen mehr möglich. Grund dafür ist das aktuelle Vergaberecht. Hier benötigt es einer verstärkten frühzeitigen Kooperation beteiligter Firmen:

"Die Regeln für das gemeinsame Planen, Bauen und Betreiben müssen konkret z. B. die Planungsabläufe (wer macht was, wann und wie) beschreiben, die bei BIM durch die enge Kooperation und die zum Teil frühzeitigen Planungsentscheidungen anders strukturiert sind als beim herkömmlichen Planen. Dazu gehört auch die Kooperation von Planung und Bauausführung, die für BIM typisch ist, aber durch das Vergaberecht erschwert wird, obwohl durchaus Verfahren für eine Kooperation vorhanden sind." (S. 91)

Fehlende Standards erschweren die Kooperation und Kommunikation

Ein weiterer Punkt der auch unsere tägliche Arbeit immer wieder erschwert sind fehlende Standards für Prozesse und Daten:

"Es fehlen bisher einheitliche Prozessstandards für die neuen Technologien." (S. 89)

Bei fast jedem Projekt fehlen grundlegende 3D-Planungsgrundlagen. Die zur Verfügung gestellten 2D-Planunterlagen sind dazu nur teils aktuell und werden erst auf Nachfrage im Laufe des Projektes geleifert. Änderungen während des Prozesses werden nicht kommuniziert, was häufig zu Mehrarbeiten und Fehlern führt. Hier erhoffen wir uns in Zukunft durch verbesserte Koordination mit Hilfe von BIM-Modellen eine wesentlich vereinfachte Kommunikation und Kooperation mit unseren Planungspartnern.

Litte Closed BIM

"Diese Insellösungen werden als "Little closed BIM" bezeichnet und zeichnen sich dadurch aus, dass wegen inkompatibler Software z.B. zwei Planer nicht miteinander kommunizieren können." (S. 89)

Zusammenfassend lässt sich die derzeitige Situation bei Imagine Computation als "Little closed BIM" bezeichnen. Unsere Lösungen sind stark durch IT-Lösungen geprägt und wir nutzen die zur Verfügung stehenden Informationen, um Architekturobjekte automatisiert zu erzeugen und zu bearbeiten. Jedoch funktioniert dies fast ausschließlich für den internen Gebrauch bzw. nur mit Firmen, mit denen eine langjährige Kooperation besteht. 

Wir erwarten durch die zunehmende Verbreitung von BIM im Planungsalltag eine ernsthafte Verbesserung und Vereinfachung der Zusammenarbeit bei Projekten!

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